Sophistereien 23.05.20

Der Sophist bemerkt eine sich beinahe viral verbreitende Begeisterung der Angestelltenklasse über das Homeoffice. Endlich nicht mehr täglich ins Büro, endlich nicht mehr ausgesetzt den Launen der Kollegenschaft, des Chefs. Kein Bürotratsch, kein Mobbing, kein metoo mehr. Herrliche Zeiten: Gemütlich sitzt man stattdessen im Pyjama zuhause am Schreibtisch und arbeitet. Mehr Freiheit, weniger Kontrolle, so lautet das Versprechen. Und nicht zuletzt ist es auch gut für die Umwelt, wenn man nicht mehr täglich zur Arbeit fahren muss.  Eine verführerische Idee, besonders für die Unternehmen, sparen sie doch viel Geld, müssen sie nicht mehr für jeden Mitarbeiter oder für jede Arbeit einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Wozu braucht man überhaupt noch Gebäude, in denen das Unternehmen diese Arbeitsplätze zur Verfügung stellt? Ein Briefkasten dürfte zukünftig reichen. Das böse Wort „Briefkastenfirma“ erhält eine völlig neue, positive Bedeutung. Bewirbt sich demnach jemand um eine Stelle, dann wird es nicht mehr nur darauf ankommen, ob der potenzielle neue Mitarbeiter qualifiziert ist für den Job, sondern auch, ob er ein Büro mit entsprechender Ausstattung mitbringt. Schreibtisch, Computer, Videokamera für virtuelle Meetings usw. Das Wichtigste aber: Bringt er auch eine hohe Flexibilität mit? Ist er bereit, abends und am Wochenende zu arbeiten? Ist der Arbeitsplatz erst einmal zu Hause, dann gibt es auch keinen Feierabend. Dann ist immer irgendwie Arbeitszeit. Ein Traum wird wahr. Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit wird aufgehoben, sowie auch, alte Forderung der Linken, das Private öffentlich sein soll. Offenbart sich also die schöne neue Arbeitswelt am Ende als Hölle?

Sophistereien 16.05.20

Der Sophist hatte sich ja eigentlich vorgenommen, einen Text zu schreiben, in dem das Wort „Corona“ nicht vorkommt – und schon ist es passiert. Ein Leben ohne Corona ist möglich, aber sinnlos. Zu sehr beherrscht dieses kleine Virus inzwischen unser Denken. Man wacht mit dem Virus auf und geht mit ihm schlafen. Bei einigen Zeitgenossen scheint es allerdings, als würde Corona weniger ihre Lungen, denn ihre Hirne befallen. „Das Bedenklichste in unserer bedenklichen Zeit ist, dass wir noch nicht denken“, lehrte Heidegger einst. In dem „noch nicht“ drückte sich zumindest die Hoffnung aus, dass wir irgendwann werden denken können.  Der Sophist hat da so seine Zweifel. Erst vorige Woche hatte er sich ja ein wenig über die Verschwörung der Verschwörungstheoretiker lustig gemacht. Doch die Sache ist ernster als gedacht. Gibt es doch Menschen, die das Nichtdenkenwollen zu ihrer Lebensmaxime erkoren haben, die sogar stolz darauf sind, sich in aller Öffentlichkeit als Idioten zu präsentieren. Und es schadet ihnen nicht, es nützt ihnen. Das Internet bietet besonders denen eine Plattform, die nichts zu sagen haben, das aber laut, damit die anderen Idioten es hören und ihnen alles glauben. Platon war ja ein Gegner der Demokratie, weil er der Meinung war, dass in der Demokratie die Idioten die Mehrheit hätten. Das klingt anmaßend und arrogant und Karl Popper hielt Platon deshalb für einen totalitären Denker. Doch wenn heute den ganzen Schwachsinn so hört, der da verbreitet wird,  ertappt man sich dabei zu denken: So falsch lag der olle Platon nicht!

Sophistereien 9.05.20

Dem Sophisten gehen diese ganzen Verschwörungstheoretiker gehörig auf den Geist. Die, die behaupten, dass die freiheitsbeschränkenden Maßnahmen zur Eindämmung des Corona Virus Teil eines geheimen Plans sind, um beispielsweise eine Diktatur zu errichten, Bill Gates reicher zu machen oder vielleicht stecken auch Außerirdische dahinter, die Juden, der Vatikan oder die Fleischmafia. Man kann sich natürlich schlicht fragen: woher wissen die Aufklärer (in diesem Fall die Verschwörungstheoretiker) eigentlich von diesen geheimen Plänen, da die doch eigentlich geheim sind. Warum existieren so viele verschiedene Verschwörungstheorien? Weil es so viele verschiedene Verschwörungen gibt oder eine große Verschwörung in verschiedenen Ausprägungen? Wie kann man so etwas wissen, fragt sich der Sophist. Wenn Sie also einem Verschwörungstheoretiker begegnen, dann fragen Sie ihn doch einfach, woher er das, was er zu wissen glaubt, weiß? Vermutlich werden Sie ihn damit in große Verlegenheit bringen. Sein Hinweis, „steht doch alles im Internet“, dürfte ihm selbst ein wenig seltsam vorkommen. Jeder Idiot weiß doch, wie viele Idioten es im Internet gibt.  Wie komme ich jetzt auf Attila Hildmann? Der Sophist hat sich doch sehr gewundert, wie dieser vegane Koch, Liebling aller Talkshows, der mit seinem veganen Fraß und seinen veganen Kochbüchern, Millionen verdient hat, sich inzwischen in Verschwörungstheorien suhlt. Das lässt nur den Schluss zu, dass vegane Ernährung schädlich ist fürs Hirn. Und das ist mal keine Verschwörungstheorie, sondern die Wahrheit.